Wolfgang Wedler

Heilpraktiker für Psychotherapie

 

 

Aufsatz zur Situation Pädophiler in Deutschland                                                                                                als PDF

 

Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme
ICD10 F65.4 Pädophilie
Sexuelle Präferenz für Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden.
Bis 1991 war auch Homosexualität nach dem ICD eine Krankheit / Störung. Die Entscheidung, Homosexualität herauszunehmen war richtig. Pädophilie drin zu lassen, falsch.


Absicht
Mit diesem Aufsatz will ich die Umstände aufzeigen, unter denen Pädophile leben und verdeutlichen, dass wir diese verändern müssen. Wir brauchen eine klare Sicht auf die Situation. Dazu ist es erforderlich diese ohne falsche Moral und Anschuldigungen zu betrachten. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass nur ein offener und ehrlicher Umgang mit diesem Thema Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen kann.


Auslöser
In meiner Arbeit habe ich immer wieder mit Menschen zu tun, die missbraucht worden sind. Also Gewalt oder sexualisierte Gewalt in der Kindheit erfahren haben. Daraus haben sich für mich mehrere Themenbereiche ergeben: Zum einen halte ich die Reduzierung dieser Menschen auf Opfer für zu kurz gegriffen. Zur Wahrheit gehört auch, dass sie Überlebende eines unfassbaren Angriffs sind. Sie haben Strategien für sich entwickelt, die das Überleben psychisch und physisch möglich machten. Und das ist eine Stärke.
Zum anderen habe ich mir die Frage nach den Tätern gestellt. Dabei habe ich festgestellt, dass die Gruppe, der Täterschaft am stärksten zugeschrieben wird, die wenigsten Taten verübt. Pädophile. Den weitaus größten Anteil haben regressive Täter. Also Menschen, die Kinder wählen weil diese schwächer und leicht zu dominieren sind, die sexuell grundsätzlich aber auf erwachsene Körperschemata ansprechen. Ihre primäre sexuelle Präferenz ist auf Erwachsene gerichtet. Daraus ergeben sich für mich zwei Folgerungen: Zum einen müssen die entlastet werden, die zu Unrecht Ausgrenzung erfahren, weil man ihnen die Taten zuschreibt. Zum anderen müssen wir repressive Täter und damit die Ursachen für Missbrauch verstehen. Aus welchem Antrieb handeln die Täter. Welche Maßnahmen können helfen tatsächlichen Missbrauch zu verhindern? Ich schreibe hier „tatsächlichen“ weil es mir um wirkliche Übergriffe geht, nicht um gedachte.


Kinder als sexuelle Wesen
Pädophilie wirft häufig die Frage nach sexuellen Kontakten zwischen Erwachsen und Kindern auf. Und viele meinen, diese sei beantwortet. Meiner Auffassung nach gehört diese Frage nicht in diesen Kontext sondern in den Pädagogischen. Es geht um das Leben und die Rechte von Kindern. Deshalb sollte der Ausgangspunkt dieser Diskussion das Kind sein. Insofern erachte ich den Ansatz der Diskussion schon für vollkommen falsch. Ausgangspunkt muss das Kind sein. Als staatlich anerkannter Erzieher bin ich der Überzeugung, dass es in pädagogischen Belangen der ständigen Diskussion bedarf. Werte und Normen müssen immer wieder auf ihre Gültigkeit überprüft werden. In allen Bereichen. Auch im sexuellen. Kinder sind sexuelle, lustfähige Wesen und wir müssen die Frage beantworten, wie wir damit umgehen wollen.


Missbrauch
Interessant im Zusammenhang von Kindesmissbrauch ist, dass nach allen Schätzungen die überwiegende Anzahl der sexuellen Missbrauchsfälle von regressiven Täter begangen werden. In diesem Abschnitt geht es nicht um diese Gruppe, sondern um Pädophile, die aus wissenschaftlicher Sicht als Pädophil bezeichnet werden können. Also Menschen, die auf ein kindliches Körperschema sexuell reagieren.
Heterosexuelle Männer lieben Frauen. Wenn sich ein Mann in eine Frau verliebt, wird er deren Nähe suchen, und möchte, wenn irgend möglich, Sex mit ihr haben. Wenn sie nun keinen Sex mit ihm möchte, dann wird er sie vergewaltigen. Sicher.
Jedem wird auffallen, wo hier der Fehler ist. Aus welchem Grund kommt man nun zu der Annahme, dass dies bei einem Pädophilen genau so ablaufen sollte? Der Prozess ist vollkommen identisch. Der Pädophile liebt das Kind, und natürlich wünscht er sich auch sexuellen Kontakt. Gleichzeitig weiß er aber auch, dass er dem Kind damit schaden würde. Wenn nicht direkt, dann doch spätestens, wenn es „herauskommt“ und das Kind gegen ihn aussagen muss. Deshalb wird er es nicht tun. Genauso wenig, wie ein Mann einer Frau Schaden zufügen würde, die er liebt. Deutlich wird dies auch daran, dass Pädophile zwar hinter den repressiven Tätern die zweitgrößte Tätergruppe darstellen, diese aber erheblich kleiner ist. Um im Beispiel zu bleiben: Es gibt Männer, die eine Frau lieben und trotzdem in der Lage sind, diese zu vergewaltigen. Dies ist aber nicht die Regel. Wer die Diskussion um Schwule und deren Existenzberechtigung und Rechte in den 70er Jahren mitbekommen hat wird sich erinnern, dass es hier zu gleichartigen Annahmen in Bezug auf schwule Sexualität gekommen ist.


Kinderpornografie
Im § 184b StGB findet sich der Begriff „Kinderpornografische Schriften“. Dieser meint Bilder und Filme, aber auch Texte. Verboten sind diese, wenn sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter 14 Jahren (Kind) Gegenstand sind. Verboten sind also Bilder und Filme, die echte Menschen zeigen. Auch verboten sind Zeichnungen, Computeranimationen und ähnliches. Eindeutig pornografische Texte sind verboten, soweit sie nicht Teil eines größeren Werkes sind. Posing Fotos sind verboten. Es bleibt in diesem Bereich nichts, was nicht rechtlich gegen den Nutzer verwendet werden kann. Die möglichen Strafen sind drastisch. Eine Verjährung tritt unfassbare 5 Jahre nach der Vernichtung der Schriften ein. Schon der Versuch, sich diese Schriften zu verschaffen ist strafbar. Sprich: Wer nach Kinderpornografie im Internet sucht macht sich strafbar, selbst wenn er nichts findet. Analog könnte man bestrafen, wenn jemand in die Suchmaschine „morden ohne erwischt zu werden“ eingibt. Werden verbotenen Schriften bei einer Hausdurchsuchung gefunden, spielt es auch eine Rolle, wie diese beschafft wurden. So steht in §184b Absatz 2 „Handelt der Täter in den Fällen des Absatzes 1 gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande…“ Wird darauf erkannt, verdoppelt sich das Strafmaß. Was bedeutet „gewerbsmäßig“? Gewerbsmäßigkeit liegt bereits dann vor, wenn die Absicht bestehen könnte, Geld sparen zu wollen. Beispielsweise indem man nicht für Pornografie bezahlt. Einer Bande gehört man rechtlich schon an, wenn  man sich die Pornografie in einem Chatraum besorgt. Hier bildet man, zusammen mit den anderen Chatteilnehmern, eine Bande. Viele Menschen, die Kinderpornografie nutzen, wollen wenigstens keine wirtschaftlichen Interessen bedienen, um Kinder vor dieser Form der Ausbeutung zu schützen. Ihnen dürfte in den meisten Fällen nicht klar sein, dass sie sich damit einer Verdoppelung der Strafe aussetzen.
Erstaunlich ist, dass  der Gesetzgeber offensichtlich glaubt, durch dieses Verbot Kinderpornografie eindämmen zu können. Wenn dem so wäre, dass hohe Strafen und Ermittlungsdruck die Situation wesentlich verändern könnten, dann hätten wir bspw. in der Drogenpolitik Erfolg. Es lässt sich sehr leicht feststellen, dass das Konzept nicht funktionieren wird. Einzig die Wahrnehmung in der Bevölkerung, dass der Staat sich kümmert, kann durch „Funde“, Verhaftungen und hohe Strafen aufrechterhalten werden. An der substantiellen Situation ändert sich nichts. Das Wissen, dass pornografisches Material von mir als Kind in Umlauf ist, kann mich psychisch außerordentlich belasten. So belasteten Menschen zu sagen, wir tun alles, um zu verhindern, dass dieses Material weiter verfügbar ist, hört sich gut an. Allein, es wird nicht gelingen und weckt falsche Hoffnungen. Genauso wenig, wie es bei anderen Daten, die in die digitale Welt gegeben wurden, gelingt, diese vollständig zu entfernen. Deshalb erachte ich es für hilfreicher, eine Therapie anzubieten, die mich dabei unterstützt mit dieser Tatsache fertig zu werden. In meinen Augen ist es eben keine Hilfe, den Betroffenen zu sagen, dass das ja „schlimm“ sei und man ja „alles versucht“. Das macht es für die Betroffenen nicht besser, im Gegenteil, es suggeriert ihnen, es gäbe nun keine weitere Hilfe (weil der “Helfer“ ja gerade mitteilt, nichts mehr tun zu können).
Gleichzeitig verstellt der Blick auf Erfolge bei der Fahndung nach Nutzern von Kinderpornografie den Blick auf die Orte, an denen sexualisierte Gewalt tatsächlich stattfindet. Und die finden sich nicht im Internet, die sind nicht digital. Gewalt findet im Leben von Kindern statt, in der analogen Welt.
Sämtliche Ressourcen gegen Kinderpornoproduzenten einzusetzen, wäre meines Erachtens ein lohnendes Ziel. Bei der Herstellung von Kinderpornografie werden tatsächlich Kinder missbraucht. Der reine Besitz von Kinderpornografie sollte nicht verfolgt werden. Wie bereits erwähnt gaben über 80% an, Kinderpornografie zu nutzen. Stellt man diese Zahl in Relation zum Anteil der Taten ist eher zu vermuten, dass die Nutzung reale Taten verhindert. Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche zeigt, dass ein repressiver Umgang mit Sexualität die Lage mindestens nicht verbessert.
Noch weniger erschließt sich das Verbot von Zeichnungen, Animationen und Texten.


Normale Kinderbilder
Selbst Porträtbilder von Kindern werden Pädophilen nicht gestattet. Sie werden sogar gegen Pädophile benutzt. Nicht rechtlich, so doch moralisch. In einer Sendung zum Thema wurde gezeigt, dass ein Pädophiler ein gerahmtes Bild eines Jungen auf seinem Klavier stehen hat. Der Mann kennt den Jungen nicht, hat sich aber in das Bild des Jungen verliebt, welches einem Kommunionbild gleicht. Was ich wahrgenommen habe, war dieser unerreichbare Wunsch nach Nähe und Liebe, diese Einsamkeit und Isolation. Die ganze Hoffnungslosigkeit, eingefangen in einem liebevoll gerahmten Bild. Im Folgenden wurde der Mann dafür lächerlich gemacht und an Eltern die Frage gerichtet, ob sie das für ihr Kind wollen. Und damit war nicht gemeint, dass das Kind in die Situation des Pädophilen geraten kann. Es ging darum, welche „Gefahr“ ein gepostetes Bild darstellen kann, wobei unklar blieb, worin genau diese denn besteht. Hier vertraut man auf die Fantasie der Zuschauer. Diese Darstellung hat mich fassungslos gemacht. Gleichzeitig verdeutlicht sie, wie weit unten Pädophile in der Gesellschaft stehen und wie stark man Menschen auf ihre sexuelle Orientierung reduzieren darf.


Sexualtrieb
Um seinen Sexualtrieb, den (fast) jeder Mensch hat, ausleben zu können besteht die Möglichkeit eine Sexpuppe zu erwerben. Neben den Erwachsenen Ausführungen in männlich und weiblich gibt es diese auch in kindlichen Ausführungen, überwiegend in Asien. Die Puppen werden den Wunsch nach Nähe zu einem Kind, das man liebt, nicht verändern. Was sie leisten können, ist dem Trieb einen Kanal zu geben, eine Möglichkeit, diesen ausleben zu können. Der Sprecher des Netzwerks 'Kein Täter werden', Prof. Klaus M. Beier sieht das in einem Interview mit RTL ganz anders. Er hat Sorge, dass sich durch die Nutzung der Puppen die Verhaltenskontrolle lockert und Verhaltensabläufe eintrainiert werden. Das würde Betroffene eher dazu anregen sich an einem Kind zu vergehen. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie er zu dieser Einschätzung gelangt. Die „grundsätzlichen Verhaltensabläufe“ kann ich auch mit einem Kissen trainieren. Lange Zeit galten Egoshooter als Hauptverdächtige für eine ansteigende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen, auch in Hinblick auf Amokläufen an Schulen. Inzwischen schätzen Experten und Studien den Einfluss von brutalen Spielen auf die Gewaltbereitschaft der allermeisten Jugendlichen als gering bis nicht existent ein. Auch konnte die Vermutung nicht belegt  werden, dass das Spielen von gewalttätigen Videospielen zu einer Verminderung prosozialen Verhaltens führt. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass unsere Psyche mit sexuellen Reizen anders umgeht als mit gewalttätigen. Damit fehlt für ein Verbot von Kindersexpuppen jede Grundlage. Besteller dieser Puppen sollten nicht verfolgt werden, sie sollten keinen Anfangsverdacht begründen.


Kritische Betrachtung von „Kein Täter werden“
Meine Kritik am Projekt „Kein Täter werden“ ist zunächst, dass schon der Titel suggeriert, dass Pädophile Täter werden bzw. sind. Unterstützt wird diese Wahrnehmung durch die Eigenwerbung: „lieben Sie Kinder mehr, als ihnen lieb ist?“ Das Bild, das hier gezeichnet wird bedient Vorurteile und Pädophobie, sorgt für mediale Aufmerksamkeit durch Vereinfachung und erleichtert so die Durchsetzbarkeit und Finanzierung des Projekts. Meines Erachtens gehen die Verantwortlichen vom völlig falschen Täterbild aus: Dem pädophilen Mann. Dass dieser gerade nicht der Haupttäter ist haben Studien belegt. Männer, die Kinder nicht lieben, sondern als Ersatzobjekte für sexuelle Dominanz und Gewalt benutzen werden nicht angesprochen. Insofern muss die Frage erlaubt sein, aus welchem Antrieb die Verantwortlichen handeln.
Insgesamt geht es meiner Wahrnehmung nach nicht um Hilfe und Unterstützung für Pädophile sondern sehr einseitig um das Interesse einer nicht aufgeklärten Gesellschaft. Die unberechtigte Stigmatisierung Pädophiler wird nicht ausreichend kommuniziert. Maßnahmen, die einer Stigmatisierung entgegen wirken könnten kann ich nicht erkennen. Auch der Fokus auf rechtlich konformes Verhalten in Bezug auf Kinderpornografie ist zu hinterfragen. Gerade vor dem Hintergrund, dass über 80% der Männer angaben, diese zu nutzen. Das Projekt bietet sich als therapeutische Anlaufstelle für Pädophile an, scheint mir am Ende aber eher der Konversionstherapie nahe zu sein. Diese wurde gerade als Therapie gegen Homosexualität verboten. Einzig der Umstand, dass Homosexualität kein Krankheitsbild des ICD mehr darstellt, Pädophilie aber sehr wohl, kann das fehlende Verbot erklären.


Kinder schützen
Pädophile machen den weitaus geringeren Anteil der Täter aus. Sie sind dabei selten gewalttätig. Hier müssen wir uns fragen, ob ein entspannter Umgang mit ihnen nicht hilfreich sein könnte. Ich bin der Auffassung, Übergriffe lassen sich verhindern, wenn wir ihnen mehr Achtung entgegen bringen und ihnen legale Möglichkeiten verschaffen ihren Trieb auszuleben. Gleichzeitig gäbe es eine stärkere soziale Kontrolle, wenn Pädophile offen unter uns leben könnten. Wenn wir ihnen mit Respekt und Achtung begegnen erleichtern wir ihnen gleichzeitig sich auf unsere Ansprüche einzulassen. Unabhängig davon, wie Diskussionswürdig diese sind.
Wollte man wirklich Kinder schützen, müsste man sich mit repressiven Tätern beschäftigen. Und mit Möglichkeiten, Familien zu unterstützen um Gewalt und sexualisierte Gewalt zu verhindern. Missbrauch findet nicht im Internet statt, sondern in der realen Welt. Sich Abbildungen davon zu verschaffen ist durch die Digitalisierung einfacher geworden. Aber eben auch die Verfolgung von Nutzern dieser Abbildungen. Der Missbrauch von Kindern wird dadurch nicht weniger. Gewalt gegen Kinder, ohne sexuelle Weiterung, spielt eine untergeordnete bis keine Rolle. Da drängt sich die Frage auf, ob es bei der Suche nach Nutzern von Kinderpornografie um den Schutz von Kindern geht oder nicht viel mehr um die Verfolgung von Pädophilen.


Öffentlichkeit / Anonymität
Schon der Verdacht, pädophil zu sein bzw. kinderpornografisches Material zu besitzen, zerstört das Leben der Betroffenen. Weitgehend unabhängig von der Frage, ob der Verdacht zutrifft, verliert man ggf. die Familie, Freunde, Bekannte und die Arbeit also seine gesamte Existenz. Wenn man annimmt, dass 80% der Männer, die sich als pädophil wahrnehmen, Kinderpornografie besitzen, erklärt sich schnell, weshalb Pädophile untereinander keine Kontakte im realen Leben haben. Lediglich in der Anonymität des Internets gibt es Kontaktmöglichkeiten. Dies kann reale Kontakte allerdings nicht ersetzen. Das Problem, sich mit anderen Menschen in derselben Lage auszutauschen, entsteht vor allem aus der Tatsache, dass ein Anfangsverdacht ausreicht, um eine Hausdurchsuchung und damit einen schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zu rechtfertigen. Der Anfangsverdacht begründet sich im Zweifel schon mit der Annahme der Pädophilie. Ausgelöst werden kann dieser also schon, wenn man über die IP Adresse als Chatteilnehmer ermittelt wird. Üblicherweise wird in den entsprechenden Foren vor der Weitergabe von persönlichen Informationen, die zu einer Identifizierung beitragen könnten, gewarnt. So sollte man bspw. nicht seinen Wohnort nennen oder den Beruf. Auch vor realen Verabredungen wird gewarnt. Aus diesem Grund gibt es praktisch keine persönlichen Kontakte und keine Selbsthilfegruppen. Zu groß ist die Angst, in den Fokus der Behörden zu geraten. Oder sich mit einem Anti verabredet zu haben. Menschen die ihren „Fang“ den Behörden ausliefern oder ihren Hass durch Gewalt ausleben. Man sich also der Körperverletzung oder Schlimmerem auszusetzt. Treffen in der analogen Welt sind damit fast ausgeschlossen oder mindestens hoch risikobehaftet. Im Ergebnis eine Aufspaltung der Persönlichkeit. Eine nach außen wahrnehmbare, von der Gesellschaft geachtete und eine verborgene, einsame, die nur geheim existieren darf weil sie die erste bedroht. Der mögliche Verlust der gesellschaftlichen Existenz ist allgegenwärtig.
Der „Anfangsverdacht“ erhöht den Druck auf das Leben Pädophiler enorm. Der Ansatz ist so niedrigschwellig, als wäre als Anfangsverdacht, ein Vergewaltiger zu sein, schon ausreichend, männlich zu sein. Diese Sicht auf Männer würden wir nicht billigen.  


Pädophilie als Waffe
Das Schwert Pädophilie ist so scharf, dass es in der Wirtschaft gegen Widersacher eingesetzt wird. Nachgewiesenen im Fall des Filialleiters der HSH Bank in New York, Roland K., von dem sich die Bank wegen unterschiedlicher Auffassungen zur strategischen Ausrichtung trennen wollte. Man fand auf seinem Rechner in New York Links zu Kinderpornografie. Links! Keine Bilder. Damit war seine Karriere beendet, Freunde und Familie wandten sich ab. Später wurde festgestellt, dass man ihm die Daten untergeschoben hat. Während die Presse den Namen seines Kollegen, dem man Geheimnisverrat untergeschoben hatte um ihn loszuwerden, vollständig nennt (Vorstand Frank Roth) wird der Name von Roland K. nicht vollständig genannt. Und das hat leider einen guten Grund. Was im Großen Bekannt sind diese Methoden aus Zeiten, in denen Homosexualität ehrenrührig war. Auch hier wurden die Folgen, die schon der Verdacht auslöst, bewusst genutzt. Beispielsweise bei dem damaligen stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber Europas, Günter Kießling, dem Erpressbarkeit wegen seiner angeblichen Homosexualität vorgeworfen wurde.  Es kann also davon ausgegangen werden, dass es bestimmten Interessen in die Hände spielt, wenn Pädophilie stigmatisiert bleibt.


Sicht der Bürger auf Pädophile
funktioniert, geht auch im Kleinen: Frauen nutzen in Konfliktsituationen oder im Rahmen einer Scheidung den Vorwurf des Kindesmissbrauchs: „Dann sage ich, du hast die Kinder angefasst.“ Ein scharfes Schwert, da schon der Verdacht die bisherige Existenz bedroht.
Umfragen kommen zu erschreckenden Ergebnissen. Eine Mikado-Studie aus 2015 hat ergeben:
•    4,8 Prozent würden Menschen mit Pädophilie als Freund akzeptieren,
•    5,7 Prozent als Nachbarn
•    und 11 Prozent als Kollegen.
•    Unterhalten würden sich 14,8 Prozent der Befragten mit Pädophilen.
•    Zugleich meinen 48,6 Prozent, sie sollten eingesperrt werden.
•    26,7 Prozent sagten, Pädophile sollten besser tot sein.


Zu wissen, dass einen dreiviertel der Menschen, denen man begegnet, eingesperrt oder Tod sehen wollen, wie soll man das ertragen? Und das erfährt man nicht (nur) aus Studien. Sondern auch im Alltag. In Gesprächen, wenn gerade mal wieder etwas passiert ist oder in fetten Überschriften der Bild. Ich halte die Situation, in der wir Pädophile leben lassen, für zutiefst unmenschlich. Meiner Meinung nach verstoßen wir gegen Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ In meinen Augen liegt hier Staatsversagen vor. Als Gesellschaft sollten wir uns fragen, welches Angebot wir den betroffenen Menschen machen können. Zurzeit erwarten wir alles und geben nichts.


Repressive Täter
Anzumerken ist hier, dass sich viele Menschen aus dieser Gruppe selber als pädophil wahrnehmen, obwohl sie das wissenschaftlich betrachtet nicht sind. Auch bei repressiven Tätern stellt sich die Frage, wie wir verhindern können, dass es zu den Taten kommt. Diese machen ja tatsächlich den Großteil der Missbrauchsfälle aus. Das aktuelle Konzept aus Stigmatisierung und Strafe funktioniert jedenfalls nicht. Wir brauchen dazu eine fachliche und gesamtgesellschaftliche Debatte. Wir müssen Geld in die Hand nehmen. Wir müssen da hingehen, wo Missbrauch stattfindet. Wir brauchen tragfähige Konzepte die helfen, Gewalt zu verhindern und wir müssen den Menschen, die ein Gewaltproblem haben, helfen. Weil es unsere Pflicht ist, ihnen zu helfen, nicht weil wir großzügig sind. Am Ende haben wir durch unser bisheriges Verhalten als Gemeinschaft das Erleben nicht verhindern können, das diese Gewalt erzeugt hat. Wir brauchen Konzepte mit den (möglichen) Tätern, nicht gegen sie. Nehmen wir unsere Verantwortung nicht wahr, können wir Kinder nicht wirkungsvoll schützen. Und schaffen so unter Umständen die Täter von morgen.

 

Fazit
Nimmt man alles zusammen, bleibt dem Pädophilen zur Befriedigung seiner Wünsche: Nichts. Außer seinen Gedanken. Oder chemische oder psychische Kastration. Da erwartet die Gesellschaft dann vielleicht doch etwas viel. Dies erinnert an die vielen gescheiterten und inhumanen Versuche, „nicht gesellschaftskonforme“ Menschen dauerhaft aus der Gesellschaft zu entfernen, indem man sie schlicht in Einrichtungen sperrt, nach Australien verfrachtet oder auf anderem Wege unsichtbar macht.
Damit berichtet die soziale Gemeinschaft: Wir negieren, dass es ein Phänomen wie Pädophilie gibt. Wir wollen nicht anerkennen, dass es Teil unserer Gesellschaft ist. Und wir suchen nicht nach Möglichkeiten, diese Anerkennung herzustellen, im Gegenteil. Durch das (soziale) Entfernen Pädophiler sagt die Gesellschaft auch, dass „die Pädophilen“ ja das Problem haben, nicht die Gesellschaft.

 

Wir brauchen eine Anerkennung Pädophiler, eine Integration in unsere Gesellschaft auf Augenhöhe. Pädophilie ist keine Krankheit. Genauso wenig wie Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität ...

 

 Und wie beschrieben brauchen wir Angebote für die repressive Gruppe.

QUELLEN

https://www.rtl.de/cms/dreijaehrige-kindersexpuppen-wer-zur-hoelle-braucht-das-2958224.html  https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/risiko-ego-shooter-vom-computerspiel-zum-amoklauf/13925946.html?ticket=ST-1596935-6zeNfbIAaRe9SeabKCTd-ap2    https://www.deutschlandfunk.de/ego-shooter-stumpfen-die-spieler-nicht-ab.676.de.html?dram:article_id=237362  

https://psylex.de/psychologie-lexikon/medienpsychologie/computerspiel-aggression.html   http://trennungmitkind.com/krieg-ums-kind/vorwurf-kindesmissbrauch   https://de.wikipedia.org/wiki/Kie%C3%9Fling-Aff%C3%A4re  https://www.otto-brenner-preis.de/fileadmin/user_data/preis/02_Preisjahrgaenge/2011/Preistraeger/2_Preis_HSH_Artikelserie.pdf 

https://www.kein-taeter-werden.de/  https://de.wikipedia.org/wiki/Konversionstherapie

https://strafverteidigung-hamburg.com/1711/kinderpornographische-schriften-184b-stgb/

https://manndat.de/fakten-und-faltblaetter/sexualitaet/feminismus-und-sexualitaet.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Gewalthaltige-Computerspiele-machen-nicht-aggressiv-3996952.html

 

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Aufsatz zur Situation Pädophiler in Deutschland
Autor: Wolfgang Wedler, Heilpraktiker für Psychotherapie
Aufsatz zur Situation Pädophiler in Deut
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